Tag: Gras unter den Pfoten

Saffiro
Rasse: Mischling
Geschlecht: Rüde
Geboren: 09/2021
Schulterhöhe: 54 cm
Sie kennen das. Morgens, noch halb wach, stehen Sie vor der Kaffeemaschine und wollen jetzt sofort Ihre erste Tasse. Also ziehen Sie die Kanne heraus, bevor der Kaffee durchgelaufen ist – und bekommen etwas, das eher nach guter Absicht als nach Kaffee schmeckt. Nur fünf Minuten Geduld, und Sie hätten die beste Tasse des Tages in der Hand gehabt.
Saffiro ist ein bisschen wie dieser Kaffee. Man muss ihm nur die fünf Minuten gönnen.

Wenn sich nach Monaten die Zwingertür öffnet und Saffiro plötzlich Gras unter den Pfoten hat, dann kommt er erst einmal mit vollem Druck: Espresso, doppelt, ohne Zucker. Er hüpft, dreht sich, möchte gleichzeitig zu Ihnen, ans Ende der Wiese und am liebsten gleich wieder zurück. Er freut sich so sehr und so laut mit seinem ganzen Körper, dass man einfach lachen muss.
Und wenn ihm das Ganze überschäumt wie Milch, die zu lange auf dem Herd stand, kommt die Pfote. Wie ein Kind, das am Ärmel zieht: Guck mal, guck mal, ich bin hier! Wer wochenlang nur Zwinger hatte, kippt sich eben nicht zuerst einen Kamillentee ein.

Doch dann passiert etwas, das unsere Tierschützer bei ihrem Besuch im Lager beobachten konnten: Saffiro wird ruhiger. Man bleibt bei ihm, gibt ihm Orientierung, redet mit ihm – und langsam fährt er herunter. Dass sein Start so stürmisch ist, hat einen Grund. Und der ist nicht Saffiros Schuld.
Er war gerade einmal zwei Monate alt, als er gemeinsam mit seinen sechs Geschwistern ins Canile kam. Sieben Welpen, die gerade erst angefangen hatten, die Welt zu entdecken. Für Saffiro ist das Canile seitdem sein Zuhause. Ein Wohnzimmer hat er nie gesehen. Einen Menschen, der abends noch da ist und am nächsten Morgen wiederkommt, ebenfalls nicht.

Wenn für einen solchen Hund nach Monaten die Zwingertür aufgeht, ist das kein ganz normaler Spaziergang. Das ist Weihnachten, Geburtstag und Urlaub zusammen. Natürlich sprudelt er da erst einmal über.
Und was findet man am Ende in der Kanne, wenn man Saffiro die nötige Zeit gibt? Einen freundlichen, lebensfrohen Hund. Saffiro mag Menschen und ist mit Rüden ebenso fein wie mit Hündinnen. Er lässt sich führen, sobald ihm jemand ruhig die Richtung zeigt. Und obwohl er allen Grund gehabt hätte, dem Menschen gegenüber misstrauisch oder verbittert zu sein, hat er sich seine Freude bewahrt.

Das macht ihn so besonders.
Wir suchen für Saffiro keine Baristas. Wir suchen Menschen, die ihm Zeit geben können. Menschen, die ihm verlässliche Abläufe schenken, die wissen, dass eine Pfote am Bein kein Problem ist, sondern manchmal einfach die etwas stürmische Art eines Hundes zu sagen: Ich freue mich, dass du da bist!

Saffiro muss noch lernen, wie ein Leben außerhalb des Zwingers funktioniert. Er muss entdecken, dass ein Zuhause mehr ist als ein Ort, an dem man schläft. Und er wird dafür vermutlich länger als fünf Minuten brauchen. Aber er hat im Lager bereits gezeigt, dass er ein Hund zum Warmwerden ist. Einer, der sich beruhigt, wenn man ihm Sicherheit und Orientierung gibt.

Der Kaffee muss erst durchlaufen. Bei Saffiro dauert das sicher ein paar Wochen statt fünf Minuten. Dafür bekommt man einen Hund, der Wärme mitbringt – und der sie zurückgibt, wenn man ihm die Zeit dafür lässt. Und wenn Sie gerade Ihren Kaffee in der Hand halten: Der hatte seine Chance. Sie haben ihn wahrscheinlich sogar schon halb ausgetrunken, ohne groß darüber nachzudenken.

Bei Saffiro dürfen Sie ruhig etwas länger überlegen. Aber bitte nicht zu lange. Er wartet schon eine ganze Weile. Seine Vermittlerin freut sich auf Ihre Nachricht. Gern auch mit Kaffeeflecken.

PS. Falls Sie eher der Typ für zwei Tassen sind: Saffiros Bruder Settimio sitzt ein paar Zwinger weiter. Gleiche Wartezeit, gleiche Röstung – aber trotzdem kein zweiter Aufguss!
Daniela Koenemann
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Margherito
Rasse: Owtscharka Mischling
Geschlecht: Rüde
Geboren: 08.2016
Schulterhöhe: 72 cm
Acht Jahre, so lange sitzt du schon hinter Gittern. Acht Jahre, in denen die Sonne für dich nur als Lichtstreifen durch Gitterstäbe scheint, jeder Tag nach schmutzigem Beton riecht und jede Nacht nach Einsamkeit. Acht endlose Jahre in einer Einzelzelle ohne Beschäftigung, ohne Auslauf, ohne menschliche Nähe, die länger dauert, als nötig ist, um dir hin und wieder einen Napf mit Futter durch die Zwingertür zu schieben.
Als du ins Hundelager kamst, warst du ein Jahr alt - ein junger,
hoffnungsvoller Rüde, der neugierig war auf die Welt; der toben spielen und
lernen wollte. Stattdessen bekamst du ein Leben, das keines ist mit einem Alltag,
der außer Warten nichts zu bieten hat.

Du bist ist kein schwieriger Hund, im Gegenteil:
Wenn unsere Tierschützer dich zwei-, dreimal im Jahr kurz besuchen dürfen, stehst
du ruhig da, aufmerksam mit wachem Blick und einer Gelassenheit, die fast körperlich
schmerzt. Du lässt dich berühren, an die Leine nehmen und, sogar lenken, so als
hättest du längst verstanden, dass Widerstand zwecklos ist. Du vertraust,
obwohl du allen Grund hättest, es nicht mehr zu tun.

Deine Ohren und dein Schwanz sind beschnitten - schmerzhafte
Spuren einer unbarmherzigen Entscheidung, die Menschen über dich getroffen
haben; vielleicht, um duch furchterregend und wehrhaft wirken oder einfach nur
stark erscheinen zu lassen. Dabei hat dir die Welt nicht zuwenig Stärke,
sondern zuwenig Freiheit gegeben.
Manchmal begegnest du anderen Hunden und egal, ob
Rüden, Hündinnen, es gibt nie irgendwelche Probleme. Nur wenn Futter im Spiel
ist, zeigst du, dass du noch etwas verteidigst: dein armseliges Fressen, das Wenige
und Einzige, das dir geblieben ist.

Du bist freundlich zu Menschen und neugierig, ohne
dabei aufdringlich zu werden; selbstbewusst genug, um mit neuen Situationen
umzugehen, dabei so bescheiden, dass man spürt, wie sehr du dich anpasst -
einfach, um zu überleben.

Und während draußen die Jahreszeiten wechseln, sitzt du dort, wo nichts sich
verändert. Du spürst kein Gras unter deinen Pfoten, keinen Wind, der dir durchs
Fell fährt; eben nichts, das dich wirklich berührt. Vielleicht ist das das
Schlimmste an deiner Geschichte: Nicht, dass du vergessen wurdest, sondern dass
du es weißt und gelernt hast, still zu warten, während die Welt an dir vorübergeht.
Du hast nichts falsch gemacht, aber Menschen haben dir
alles genommen, was ein Hund braucht, um wirklich Hund zu sein. Nun suchen wir
für dich jemanden, der dir etwas zurückgibt.

Liebe Leserin, lieber Leser!
Möchten Sie dieser Mensch, diese Familie für Marherito sein? Dann geben Sie ihm
eine - Ihre - Stimme und rufen Sie seine Vermittlerin an. Vielen, lieben Dank!
PS: Unter www.pro-canalba.eu/auslandstierschutz/herdenschutzhunde finden Sie wichtige Informationen zu Herdenschutzhunden. Und selbstverständlich können Sie sich bei Fragen jederzeit an uns wenden.
Margot Wolfinger
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