Tag: Stille

Nidal
Rasse: Mischling
Geschlecht: Rüde
Geboren: 01.2019
Schulterhöhe: 55 cm

Man sagt, das Glück sei wie ein scheuer Vogel: Wer es zu eilig greifen
will, sieht es davonfliegen. Nidal hat sich das auf seine Weise zu eigen
gemacht. "Ich bin lieber ein leiser Schatten", scheint sein Wesen zu sagen, "damit niemand merkt, wie sehr ich mir wünsche, dazuzugehören." Und doch, wenn
man genau hinsieht, erkennt man in seinen Augen eine Hoffnung, die leuchtet wie
ein winziger Stern in der Dunkelheit: "Vielleicht, nur dieses eine Mal, bleibt
der Moment ja bei mir." So lebt Nidal in einer Welt aus vorsichtigen Sekunden,
in denen er das Glück mit stiller Sehnsucht betrachtet. Er hat gelernt, wie
flüchtig die Flügelschläge dieses scheuen Vogels sind; man kann sie nur
festhalten, indem man lautlos verharrt. Wer ihn begleitet, lernt, dass manchmal
das größte Glück darin liegt, einfach nur zu bleiben und den leisen Zauber
eines Augenblicks nicht zu verscheuchen, sondern ihn behutsam im Herzen zu
bewahren.

Leider trägt Nidal eine stille Last, die sich nicht in seinem Wesen zeigt, sondern in seinen Werten. Seine Blutuntersuchungen sprechen eine deutliche Sprache: Leishmaniose. Diese Krankheit ist nicht laut, sie schleicht sich an und nimmt ganz heimlich, Stück für Stück. Das macht sie so gefährlich, weil sie glauben lässt, Nidal hätte noch Zeit, die er nicht mehr hat.

Nidal
wird nicht warten können, bis es vielleicht irgendwann passt. Für ihn liegt
jetzt alles in einer einzigen Entscheidung: Ob jemand bereit ist, für ihn
dazusein; ein Mensch, der nicht wegsieht, wenn es schwieriger wird, sondern ihn
begleitet, wenn er ihn am meisten braucht. Vielleicht können und möchten Sie dieser
Mensch, diese Familie sein, oder es gibt jemanden, den Sie mit Nidals Geschichte
erreichen.

Seine Vermittlerin erteilt Ihnen gern weitere Auskünfte über seine gegenwärtigen
Blutwerte und den bisherigen Behandlungsverlauf.
Tanja Roth
ist Ihre persönliche Ansprechpartnerin
Telefon
aus Deutschland:
0173 - 67 31 030
aus dem Ausland:
+49173 - 67 31 030
per EMail:
https://www.pro-canalba.eu/Lebenslichter 03.04.2026, 19.42 | (0/0) Kommentare | PL

Jontar
Rasse: Mischling
Geschlecht: Rüde
Geboren: 08.2021
Schulterhöhe: 62 cm
März 2926: Neuer Tag, neues Glück? Das mag für andere gelten, aber nicht für mich. Keiner sieht mich, keiner ruft mich beim Namen. Was einmal Hoffen und frohes Erwarten war, sitzt jetzt zuviel auf den Knochen und zuwenig auf der Seele. Die Tage tropfen auf den Zwingerboden und versickern im rauen Beton.


Als mich
die Tierschützer einmal kurz besuchen durften, sagten sie mir: "Lieber Jontar,
warte nur ab, deine Familie kommt schon bald." Und ich wartete, warte immer
noch, aber niemand meldet sich für mich. So vergehen die Jahre und mein Leben
verrinnt.

Ich sehe
andere Hunde kommen und gehen. Eine von ihnen ist Jozefina, meine Schwester.
Sie hat den Jackpot geknackt und ein Zuhause bei einer ganz lieben Familie
gefunden. Ich bleibe zurück und werde immer runder, stiller, und müder. Nur
noch selten frage ich mich, ob mein Bild auch endlich einmal zum Lieblingsbild
von einem Menschen wird.

Jacoby und Betsy sind meine Freunde. Wir teilen das Warten miteinander, aber schon längst nicht mehr die
Hoffnung. Was einmal Welpenmut hieß, ist jetzt ein unsichtiger, dicker Hund mit
stillen, traurigen Augen, kaum noch Muskeln und glanzlosem Fell.

Dabei
mache ich alles richtig. Ich dränge mich nicht vor, belle nicht aufdringlich,
halte durch. Ich lasse mir vorsichtig das Halsband anlegen, folge tapfer, oder
stehe still, wie es gerade verlangt wird. Die Tierschützer sagen, ich sei
folgsam, sanft und vorsichtig hoffnungsvoll - aber ich frage mich: Erfährt das
überhaupt jemand? Oder ist auch das nur so ein Satz, der ungelesen in einem
Aktenordner verschwindet? Warum bin ich nie der, auf den jemand wartet? Bin ich
unsichtbar? Ich möchte doch so gern irgendwo ankommen und wissen, wie sich
richtiges Leben anfühlt.

Ich bin
Jontar und ich hoffe immer noch, dass meine Geschichte endlich jemand zu Ende liest.
Vielleicht schreibst Du ja sogar das Happy End.
Dein Jontar
Daniela Koenemann
ist Ihre persönliche Ansprechpartnerin
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Daniela.Koenemann@pro-canalba.eu
WAS BISHER GESCHAH:
August 2023; Jacoby, Jontar, Jorik, Jorina, Jozefina und Julinda - einst sechs niedliche, kleine, unschuldige Welpchen, die in der Hundehölle landeten. Die drei Buben und drei Mädchen sind inzwischen erwachsen, ihre Welpenniedlichkeit konnte keinen von ihnen retten. Umso nachdenklicher stimmt es mich, wenn ich auf den Fotos und Videos der Geschwister sehe, dass sie sich nicht aufgegeben haben, sondern immer noch lustige und freundliche Wesen sind, die unsere Tierschutzkameraden freudig begrüßen. Sonnenscheine in einer trostlosen Welt. Wie kann es sein, dass sie dort noch vor sich hinvegetieren müssen, anstatt im eigenen Zuhause für Spaß und gute Laune zu sorgen?


Es muss ein heißer Sommertag, Ende August 2021 gewesen sein, als Jontar und
seine Geschwisterchen das Licht der Welt erblickten. Kaum zwei Monate alt,
wurden sie ins Hundelager gebracht; ob sie ausgesetzt oder frei geboren
und aufgegriffen wurden, wissen wir nicht. Seitdem fristen sie ihr Dasein
an diesem düsteren, furchteinflößenden Ort, verbringen ihre Tage auf nacktem
Beton in nicht endenwollendem Einerlei, ohne Gras unter ihren Pfoten, ohne
einen Ort, an den sie sich einmal zurückziehen könnten, ohne streichelnde Hände
und jegliche Fürsorge. Unvorstellbar? Ja, aber leider traurige Wirklichkeit.


August 2024: Inzwischen sind drei Jahre vergangen, in denen aus einer Rasselbande niedlicher Welpen ein Rudel erwachsener Hunde wurde; verlassen, weggeschlossen und hinter Gitterstäben vergessen. Einzig ihre Schwester Jozefina, die nun Josy heißt, wurde im Dezember 2023 von einer dieser weltbesten Familien adoptiert und lebt nun glücklich und geliebt in ihrem eigenen Zuhause.
Lebenslichter 17.03.2026, 11.40 | (0/0) Kommentare | PL
MICHELLE
Hündin
geb. 2018
50-55 cm Schulterhöhe
kastriert, geimpft, gechipt
Den Weg nach draußen,
werde ich ihn jemals schaffen?
Wieder einmal stehe
ich vor der Frage: Wie fange ich an zu schreiben? Wie gelingt es mir, für Michelle
einen Menschen zu finden, dessen Herz ich mit ihrer Geschichte so sehr berühren
kann, dass er sich für sie entscheidet?
Vielleicht beginne ich damit zu erzählen, was mich in den vergangenen Tagen besonders beschäftigt hat - neben all den Hunden, die ich noch vorstellen und deren Lebensgeschichte ich gern in die Welt hinaustragen möchte, damit sie irgendwann die Mauern und Gitterstäbe des Moskauer Shelters Kozhuhovo hinter sich lassen können.

Es ist das stille
Sterben im Shelter. Ein Sterben, welches sich leise und fast immer unbemerkt
vollzieht. Eines, das viel zu oft nach langen Jahren der Einsamkeit, der Härte,
der Entbehrung und des Leidens kommt und kein Aufsehen von sich macht. Es nimmt
die alten, aber auch immer mehr jüngere Hunde mit hinter den Regenbogen, in
eine hoffentlich bessere Welt.
Dieses stille Sterben beschäftigt mich. Es lässt mich oft verzweifeln und mutlos werden. Dann möchte ich aufgeben und alles hinwerfen, weil ja doch alles vergebens ist und sich sowieso nichts ändern wird.
Aber das stimmt nicht.
Jeder einzelne Hund, jedes Leben und jede gerettete Seele zählt. So ist dieses
stille Sterben zugleich auch Antrieb und Motivation, um weiterzumachen und so
vielen Hunden wie möglich die Gelegenheit zu bieten, dass sie gesehen werden. Sie sollen ins Licht gerückt werden und bei guten Menschen
ein Leben in Sicherheit, Geborgenheit und Liebe führen dürfen.
MICHELLE wurde gemeinsam mit ihren Schwestern von einer jungen Frau in einem Wald entdeckt – in einem Pappkarton ausgesetzt zum Sterben. Damals waren die Geschwisterchen ungefähr zwei Monate alt. Mit der Abgabe der Hundekinder begann für die Finderin auch ihre Zeit als Freiwillige im Shelter. Sie brachte fünf kleine Welpen und fand sich unvermittelt unter Tausenden verlassener Hunde wieder.

Leider konnte sie
trotz größter Bemühungen bis heute kein Zuhause für Michelle finden. Zwei von
deren Schwestern hatten Glück, sie wurden recht schnell adoptiert; zusammen mit
Michelle sitzen nun noch die beiden übrigen Hundemädchen – Lapa und Tata – in
Shelterhaft. Der nächste Winter naht mit Riesenschritten, und es treibt uns die
bange Frage um: Wird es für Michelle, ihre Schwestern und für so viele andere
schon bald zu spät sein?
Denn das üble Futter, welches höchstens den Magen vorübergehend füllt, jedoch keinerlei Nährwert besitzt, hat deutliche Spuren an Michelle, ihren Schwestern und zahllosen weiteren Hunden hinterlassen. Das Zufüttern durch die Freiwilligen kann die Defizite nicht ausgleichen, es kann den Hunger nicht stillen und ist letzten Endes nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Obendrein kommt es in den beengten Zwingern immer häufiger zu Beißereien; die Schwächeren, diejenigen, die entkräftet sind und sich nicht behaupten können, werden die ersten Opfer sein. Mit Sorge erinnern wir uns an die eisigen Temperaturen des vergangenen Winters. Hunde ohne Reserven haben dann für immer verloren.

Die junge Frau, die
Michelle und ihre Schwesterchen damals im Wald fand und nun deren Betreuerin
ist, beschreibt die Hündin als unglaublich liebevoll und sanft. Michelle liebt
sie innig und vertraut ihr blind – so als wüsste sie, wem sie ihr Leben verdankt.
Fremden gegenüber hält sie sich erst zurück, taut aber schnell auf, wenn sie
spürt, dass man ihr nichts Böses will. Bei fremden Menschen ist Michelle erst
zurückhaltend, taut dann aber schnell auf. Sie läuft ruhig und gelassen an der
Leine, obwohl es im Shelter immer laut und stressig ist und manche
Hundebegegnung nicht immer ganz problemlos verläuft. Wohlgemerkt: Keiner dieser
Hunde ist bösartig; sie sind einfach nur verzweifelt und haben gelernt, dass
Angriff manchmal die beste – weil einzige – Verteidigung ist.
Für die empfindsame
Michelle soll dieser Leidensweg nun ein Ende haben. Sie soll endlich leben
dürfen, in einem schönen Zuhause bei verständnisvollen und geduldigen Menschen,
mit denen Michelle durch dick und dünn gehen kann und die ihr versprechen, sie zu
lieben – bis zum Mond und wieder zurück!

Michelles Geschichte
in Bildern und beim Gassi im Shelter:
Die Vermittlung und Ausreise erfolgt über den Tierschutzverein "Pro Canes et Equos".
Vermittlerkontakt/Fragen:
Ulrike Worringer
Tel.: 0171-1817071
eMail: Ulrike.worringer@procanes.org
Lebenslichter 25.01.2026, 19.54 | (0/0) Kommentare | PL